25.04. | 16°° Signierstunde Stefan Glowacz | freytag & berndt

Autogrammstunde_glowacz_klein

(c) Klaus Fengler

Ein Egoist voller Emotionen und realistischer Träume.

Gegensätze prägen das Leben von Profi-Kletterer Stefan Glowacz. Er ist ein Träumer, der seine Träume Wirklichkeit werden lässt.
Permanent hat Glowacz diese Bilder von unerforschten Bergen am Ende der Welt im Kopf, von einer Natur, die der Mensch noch in ihrer Reinheit belassen hat. Genau diese Gebiete bereist der Profi-Kletterer und setzt sich für deren Erhalt ein. Denn Glowacz ist auch ein Weltverbesserer, ein idealistischer Realist.

Gegensätze prägen das Leben des 48-Jährigen. Dazu gehört auch die Erkenntnis: Wer ihn liebt und halten will, muss ihn gehen lassen. Gefühlsduselei liegt Stefan Glowacz fern. Benutzt er im Gespräch doch einmal Wörter wie „Passion“ oder „Vision“, wiegelt er ab: Man müsse es ja nicht so pathetisch schreiben. Nüchtern und analytisch, das ist ihm lieber. Einblick in seine Gefühlswelt gewährt er nur selten, in der Regel nur dem engsten Umfeld. Doch gab es ein erschütterndes Ereignis in seinem Leben, bei dem Glowacz offen seine tiefe Bewegtheit zeigte. Es war die Trauerfeier von Kurt Albert. Sein langjähriger Seilpartner war nach einem Absturz an einem Klettersteig im Oktober 2010 den schweren Verletzungen erlegen. In seiner Trauerrede für den Freund steckte viel von Glowacz selbst: Sie stand für die Nachdenklichkeit, den Sinn für Humor und die Lebenseinstellung des 48-Jährigen. Voller Bewunderung sprach Glowacz von „Kurtl“, der jeden in seinen Bann gezogen habe. „Er machte das, was ihm am besten gefiel. Kurt hat sich nie verbiegen lassen und seine Freiheit vehement verteidigt.“ Keine Frage: Kletter-Legende Albert war Glowacz’ Vorbild. Denn die Worte beschreiben auch seine Grundsätze: „Ich werde mich nicht ändern, für niemanden“

Erdtbegehung im Verdon

(c) Klaus Fengler

Glowacz lebt sein Leben, wie es ihm gefällt, mit ihm selbst als Zentrum. „Ich bin ein Egoist“, gibt der Profi-Bergsteiger zu – und findet das ganz selbstverständlich. Denn Egoismus sei die Basis des Erfolgs. Nur, wer alles seinem großen Ziel unterordne und sich durch nichts und niemanden davon abbringen lasse, werde es erreichen. Nie hat Glowacz in seine Entscheidungen jemanden einbezogen, auch nicht die Familie. „Hätte ich immer Rücksicht genommen, wäre ich auf keinen einzigen Berg gestiegen.“ An der Haltung hat sich nichts geändert. Kompromisse haben in seinem Leben keinen Platz. „Entweder, man nimmt mich so, wie ich bin, oder man lässt es. Ich werde mich nicht ändern, für niemanden.“ Seine Worte sind hart – doch Glowacz’ Stimme ist sanft. Als er weiterspricht, wird klar, wie das zusammenpasst. Mit seiner zweiten Ehefrau Tanja Valérien-Glowacz hat Glowacz jemanden gefunden, die ihn jedes Mal aufs Neue ziehen lässt und ihm genau die Freiheiten gibt, die er braucht um ganz er selbst und glücklich zu sein. Sie und seine Drillinge – „die größten Geschenke in meinem Leben“ – sind sein „sicherer Hafen“, auf den auch ein Nomade wie Glowacz angewiesen ist. Die Familie gebe ihm die nötige Kraft und Ruhe für seine Expeditionen, die ihm technisch, psychisch und physisch alles abverlangen. „Ich weiß, dass sie hinter mir stehen. Das bedeutet mir alles.“

Wer Stefan Glowacz als Familienvater und Ehemann erlebt, der erkennt: Sein Egoismus ist
keine Ich-Bezogenheit, die kein Interesse für andere zulässt. Vielmehr steckt dahinter – ganz unpathetisch betrachtet – eine alles erfüllende Passion für den Klettersport. Wer ihm erlaubt, sich dieser hinzugeben, wird sehen, wie viel Platz in seinem Leben für andere ist.
Vorreiter einer Bewegung. Ohne diese Passion stünde Glowacz nicht dort, wo er heute steht. Er hätte nicht drei Mal (1987, 1988 und 1992) die prestigeträchtigen Rock Masters in Arco (Trentino in Italien) gewonnen, die ihn zum erfolgreichsten deutschen Wettkampfkletterer und zu einem Vorreiter der Kletterszene gemacht haben. Glowacz setzte einen Trend: Sportklettern wurde zum Breitensport. Ihm selbst wurde die Welt der Bohrhaken bald zu klein. Zu sehr war sie bereits von Menschen verändert worden. Glowacz wollte etwas anderes: Unentdecktes entdecken. Als Ziehsohn der Bergsteiger-Legende Reinhold Messner wurde er so erneut Vorreiter einer Bewegung. Er prägte den Grundsatz „by fair means“, also „ohne technische Hilfsmittel“, neu. Bei seinen Expeditionen geht es längst nicht mehr um die Eröffnung neuer Routen im Alpinstil und fernab der Zivilisation. Der Weg ist zum Ziel geworden, ob in der namibischen Wüste, auf dem zugefrorenen Meer im arktischen Nordostkanada, in den Eisfeldern Patagoniens, in einem unbekannten Seitental Nepals oder im venezolanischen Dschungel. Unternehmer und Abenteurer verbindet die gleiche Besessenheit Glückliche Fügung setzte den Grundstein für Glowacz’ Lebensweg. Denn wäre er als Sohn anderer Eltern groß geworden – er hätte vielleicht nie die Faszination Fels erfahren. So aber war er, geboren in Tittmoning und aufgewachsen in Oberau bei Garmisch Partenkirchen, von Kindesbeinen an in den Bergen unterwegs und kletterte bei Wandertouren „jeden Felsblock nach oben“. Später überließ er nichts mehr dem Zufall. Akribie und Ehrgeiz machten ihn zu einem der weltbesten Kletterer. Doch das hat ihm nicht gereicht. 1999 startete Glowacz eine Karriere in der freien Wirtschaft und gründete „Red Chili“, eine Firma für Kletterschuhe und -ausrüstung. Ein naturliebender Abenteurer als gewinnorientierter Unternehmer – für Glowacz ist das kein Gegensatz. Beide erlebten Höhen und Tiefen. Sie verwirklichten Ideen mit Leidenschaft. „Man braucht die gleiche Besessenheit und den identischen Ehrgeiz.“

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(c) Klaus Fengler

Die Erfüllung von Kindheitsträumen Glowacz’ Leidenschaft für die Natur kommt nicht nur in seinen Vorträgen zum Ausdruck. Er setzt sich aktiv dafür ein. So demonstrierte er gegen den Bau des „AlpspiX“ auf dem Osterfelderkopf über seinem langjährigen Wohnort Garmisch-Partenkirchen. Die Schönheit der Bergwelt, so seine Forderung, müsse den Menschen auf naturverträgliche Art näher gebracht werden. „Die Alpen zu einem Vergnügungspark zu machen, ist der falsche Weg.“ Viele Menschen hat diese Botschaft erreicht. Denn Glowacz hat es mit seiner Aktion während der Eröffnung der umstritten Aussichtsplattform, bei der er frei schwebend in einem Höhenbiwak unter dem Balkon verharrt war, sogar bis in die Tagesschau geschafft. Glowacz hat Ideale, und für die setzt er sich ein. Nur davon zu reden, ist dem Profikletterer nicht genug. Ebenso, wie ihm das Träumen nie genug war. Schon als Kind habe er die Bilder im Kopf gehabt von außergewöhnlichen Abenteuern in fremden Ländern. Diese Kindheitswünsche erfüllt er sich heute. Das wäre ganz im Sinne von Kurt Albert. Denn er möge, so Glowacz, jeden inspirieren, „seine Träume nicht nur zu träumen, sondern sie – wie Kurt – auch zu leben“.

Wettkampf-Erfolge:

1985: Sieger beim Sport Roccia (Bardoneccia, Italien)
1987/88/92: Gewinner Rock Master (Arco, Italien)
1992: Gewinner des inoffiziellen Demonstrationswettkampfs
bei den Olympischen Winterspielen (Albertville, Frankreich)
1993: 2. Platz bei der WM (Innsbruck, Österreich)

Kletter-Höhepunkte:

1994: Erstbegehung „Des Kaisers neue Kleider” Wilder Kaiser, Österreich (X+)
Grönland-Expedition, Erstbegehung „Moby Dick” (IX+)
1995: Kanada-Expedition, Erstbegehung „Fitzcaraldo” (VIII+)
1996: Erstbegehung mit Kurt Albert in den Dolomiten: Südwand der Kleinen Zinne „Gelbe Mauer” (IX)
1997: Ostgrönland-Expedition, Erstbesteigung „Nordlicht” am Tupilak (VIII+)
1999: Segel- und Kletterexpedition in die Antarktis, Erstbesteigung „Hart am Wind“ (IX)
2000: Kletterexpedition Vietnam, Kajak- und Kletterexpedition nach Baffin Island: Erstbegehung „Odyssee“ am Polar Bear, Spire (IX)
2001: Kletterexpedition Mexiko „El Gigante“ (IX+)
2003/04/05: Patagonien Murallón „The lost world“ (VIII), „Vom Winde verweht“ (IX)
2004: Erstbegehung Titlis Engelberg/Schweiz „Letzte Ausfahrt Titlis“ (X-)
2006: Kletterexpedition nach Venezuela Acupan Tepui „Fegefeuer“ (IX-)
2008: Kletterexpedition nach Baffin Island „Take the long way home“ Bastion (X-)
2009: Kletterexpedition Minas Gerais/Brasilien „The place of happiness” (IX)
2009: Non-Stop-Begehungsversuch Fitz Roy in Patagonien, Argentinien/Chile
2010: Erstbegehung der Route „Behind the Rainbow“ (X) an der La Proa am Roraima Tepui im Dreiländereck von British Guyana, Venezuela, Brasilien
2011: Erstbegehungsversuch am Gauri Shankar/Nepal
2012: Erstbegehungsversuch am Fitz Roy in Patagonien, Argentinien/Chile
2012: Erstbegehung „Golden Shower” in der Verdonschlucht, Südfrankreich

Jäger des Augenblicks

JÄGER DES AUGENBLICKS_PosterMit Stefan Glowacz, Holger Heuber und Kurt Albert

Der sagenumwobene Tafelberg Roraima im Dreiländereck von Brasilien, Venezuela und Guyana steht gleichsam sinnbildlich für Abenteuer fernab jeglicher Zivilisation und ist von atemberaubender, unvergleichlicher Schönheit. Ende Februar 2010 startet der erste Superstar der Sportkletter-Szene Stefan Glowacz gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern Kurt Albert, Begründer der Rot-Punkt Kletterbewegung, und Holger Heuber zu einer Expedition ins Ungewisse. Das Ziel ist klar, der Weg dorthin (noch) nicht.

Zunächst in Einbäumen über Flussläufe, dann zu Fuß, geht es zwei Wochen durch den Dschungel – „by fair means“, das heißt ohne technische Hilfsmittel zur Fortbewegung, erkämpfen sich die Kletterer bei 40 Grad und Dauerregen den Weg durch jenen Urwald, der auch als „Lost World“ bekannt ist. Schließlich nach 1000 Höhenmetern erreichen sie den gewaltigen, schiffsbugartig aufragenden Felspfeiler namens ‚La Proa‘. Über diese 600 Meter überhängende Nordwand möchten sie den Tafelberg Roraima via einer neuen spektakulären Route erreichen. Doch der Dauerregen, der riesige Wasserfälle herabstürzen lässt, und eine Verletzung am Fuß zwingen die Freunde, ihr Abenteuer in Wandmitte abzubrechen. Noch im November des gleichen Jahres kehren Stefan Glowacz und Holger Heuber an diese Stelle zurück, um ihre Route zu vollenden. Es wird jedoch ihre schwerste Tour, denn ihr langjähriger Freund und Kletterpartner Kurt Albert kann sie auf ihrer wochenlangen Expedition im Fels nicht mehr begleiten.

Roraima-Expedition Stefan Glowacz

(c) Red Bull Content Pool / Klaus Fengler/ MFA+ FilmDistribution e.K.

„Jäger des Augenblicks“ führt uns an einen magischen Ort der Erde und lässt uns an der spektakulären Tour dreier Männer teilhaben, die leidenschaftlich das extreme Abenteuer suchen. Doch es ist mehr als ein Abenteuerfilm: Nach dem tragischen Kletterunfall Kurt Alberts müssen sich die beiden verbleibenden Athleten bei ihrer zweiten Roraima-Expedition nicht nur mit der Wand, sondern auch mit dem Verlust des Freundes auseinandersetzen. Die Besteigung des Roraima gerät so zu einer Tour de Force, einfühlsam und authentisch in noch nie da gewesener Nähe zu den Protagonisten. Für Qualität bürgt ein hochkarätiges und erfahrenes Filmteam: Kolja Brandt (DOP) erhielt für ‚Nordwand‘ den Bundesfilmpreis für die beste Kamera, Franz Hinterbrandner (2. Kamera) drehte u.a. die Wandaufnahmen in ‚Am Limit‚ und ‚Eternal Flame’. Produziert wurde der Film von Red Bull Media House, einem plattformübergreifenden Medienunternehmen, das sich auf Sport-, Kultur- und Lifestyle-Programme spezialisiert hat. Seit 2012 legt Red Bull Media House seinen Fokus insbesondere auch auf Kino Produktionen und hat dies mit den Veröffentlichungen von ‚Storm Surfers 3D’ und ‚The Art of FLIGHT’ unter Beweis gestellt. 2013 werden drei weitere Filme veröffentlicht.

Genre: Dokumentation
Spieldauer: 102 Min.
Produktionsjahr: 2009 – 2012
Format: 1,85:1
Darsteller / Athleten: Stefan Glowacz, Holger Heuber, Kurt Albert
Produzent und Autor: Philipp Manderla
Produktionsland: Österreich
Drehorte: Deutschland, Venezuela, Guyana
Produktionsfirma: Red Bull Media House GmbH

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(c) Red Bull Content Pool / Klaus Fengler/ MFA+ FilmDistribution e.K.

Bücher

Stefan Glowacz, Tanja Valérien-Glowacz
Expeditionen – Extremklettern am Ende der Welt

64644-BT-Stefan-Glowacz.inddEr erobert die Welt mit den Fingerspitzen. Und mit unglaublicher Willenskraft. Mit beispiellos wirkender Leichtigkeit gewann der Extremkletterer Stefan Glowacz das prestigereiche Rock Masters in Arco 1987, 1988 und 1992. 1993 wurde er Vize-Weltmeister. Er kletterte viele Jahre free solo, also ohne Seil und Sicherung. Neben dem Klettern hat Glowacz eine weitere Form des Adrenalin-Kicks für sich entdeckt. Er unternimmt Expeditionen an die „weißen Flecken“ unserer Landkarten, in völlig abgelegene Gebiete, abgeschirmt durch Eis und Kälte, durch undurchdringlichen Dschungel oder durch unüberwindbar scheinende Berge. In diesem Buch berichtet Stefan Glowacz in spannenden und sehr emotionalen Fotostrecken und ganz persönlichen Worten von seinen sieben größten Expeditionen. Die Fotos ziehen jeden in den Bann, der von Abenteuern in den abgelegensten Regionen dieser Erde träumt.

Die in diesem Buch beschriebenen Expeditionen führten Glowacz an folgende Orte:
• Kanada – Cirque of the unclimbables – Mount Harrison Smith (1996)
• Grönland – Erstbegehung Tupilak (1997)
• Antarktis – Erstbegehung Renard Tower (1999)
• Kenia – Moint Poi (2003)
• Patagonien – Durchstieg Cerro Murrallòn (2003, 2004, 2005)
• Baffin Island – Erstbegehung Bastion (2008)
• Himalaya (2011)

€ 41,10, 2. Auflage 2012, 240 Seiten, 330 Farbfotos, 84 S/W Fotos, 8 Karten, Format 25,7 x 33,3 cm, gebunden mit Schutzumschlag, Delius Klasing

 

Stefan Glowacz mit Ulrich Klenner
On the Rocks – Leben an den Fingerspitzen

produkt-3297Er klettert Routen im zehnten und elften Schwierigkeitsgrad, seine Expeditionen führen ihn in entlegenste Regionen der Welt – nach Patagonien, in die Antarktis, nach Kanada, Mexiko oder Kenia. Er sucht die Weite und will die Höhe gewinnen. Und dabei erlebt er Höhenflüge und Abstürze. Davon erzählt Stefan Glowacz, einer der kreativsten und besten Kletterer der Welt.

€ 11,30, 336 Seiten, 47 Abbildungen, 16 Farbtafeln, kartoniert, Piper