JETFORCE IM TEST BEI ALPS

Seit rund 6 Jahren verwende ich einen „Lawinenrucksack“. Zuerst als Ergänzungsausrüstung bei Skitouren und beim Variantenfahren, ist der „Airbag“ als zusätzliche Absicherung vor allem im Hochwinter und beim Freeriden ein Standardausrüstungsgegenstand für mich geworden.

Die Anforderungen und Bedürfnisse sind für mich kurz zusammengefasst: Zuverlässige und leicht zugängliche Auslösung im Ernstfall, leichte Bedienbarkeit beim Systemeinschalten-Warten-Inbetriebnahme-Zusammenlegen, geringes Gewicht und Nutzbarkeit als Skitourenrucksack.

Die von uns verwendeten Systeme sind in vielerlei Hinsicht ein Kompromiss zwischen diesen Anforderungen gewesen. Bis 2015 habe ich persönlich ein Snowpuls System inkl. Mammut Rucksack verwendet. Als Skitourenrucksack immer eine Kompromiss- vor allem dann wenn noch Seil oder Steigeisen gefragt waren…

Die jährliche Auslösung am Ende der Skitourensaison war ein 80.- Euro Gaudium für den Nachwuchs- für mich eher eine kurze kostenintensive Unterhaltung.

Im Oktober 2014 konnten wir das von Black Diamond und Pieps erfundene Jetforce System am Stubaiergletscher erstmal testen. Wie bei allen Neuerungen im Bereich Sicherheit sind wir zuerst einmal vorsichtig skeptisch mit dem Thema umgegangen.

Überzeugend fand ich persönlich einmal die Möglichkeit Auslösungen auch beim Fahren und im Gelände zu testen, ohne dabei gleich den Gegenwert eines Seils zu vernichten.

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Dazu kam, dass die ewige Unsicherheit des Zusammenlegens des Ballons nach der Auslösung keine mehr war. Die Auslösung und das darauffolgende Zusammenlegen ist einfach und auch mit Handschuhen möglich. Im Winter 14/15 haben wir das System mal genau beobachtet und vor allem im Kursbetrieb getestet. Die rund 140 Auslösungen haben immer perfekt funktioniert.

 

Die anfängliche Skepsis dem elektronischen System gegenüber, etwaiger Entladungen etc. hat sich damit gelegt. Selbst bei längeren Durchquerungen hielt der Akku ausreichend und es ist kein Nachteil wenn man mal wirklich in Schwierigkeiten kommt nicht nur eine Auslösung zur Verfügung zu haben. ( Wer nimmt schon eine Ersatzpatrone mit….)

 

In der Saison 2015/16 habe ich den JetForce Rucksäcke dann eigentlich als Standard im Bereich Freeriden und Freeski im Hochwinter verwendet. Zum Einsatz kamen der Halo28 und der Saga40 von BD und der Jet Force Pro Tour von Pieps. Alle checken so im Bereich 3,5 kg ein- ein Umstand der den stets gewichtsempfindlichen Bergführer nicht vollständig freut, zumal schon Systeme mit einem Gesamtgewicht von unter 2,0 kg am Markt sind (System, Kartusche,Rucksack 20 L). Vieler dieser System sind aber zu kurz am Markt um eine schlüssige Aussage über die Praxistauglichkeit zu machen.

 

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Was ich  nie verstanden habe, ist das 3 der wesentlichen Vorteile des JetForce Gebläse Systems eigentlich nicht klar kommuniziert worden sind:

  • Selbst bei mechanischer Beschädigung bleibt das System mit der andauernden Luftzufuhr stabil
  • Das JetForce System ist mit 200 Litern Füllmenge um ein Viertel größer als die anderen Systeme. Besserer Auftrieb konnte nicht nachgewiesen werden- bedeutender ist aber auf jeden Fall der weitaus                  bessere Schutz gegen mechanische Verletzungen. Das ist für mich in dem Gelände in dem ich unterwegs bin ein wesentlicher Sicherheitsvorteil
  • Vor allem bei Rettungsaktionen ist ein Wiederaufblasen oder ein präventives Auslösen ein wesentlicher Vorteil.

 

Zu den Rucksäcken selber

Ich bevorzuge den Saga 40 Liter– der ist zwar beim Freeriden nicht ganz so slim wie der Halo oder der Tourrider von Pieps, hat aber den Vorteil, dass ich selbst bei längeren Durchquerungen alles hineinbekommen. Vorne hat er ein praktisches Fach für Sonde,Schaufel und Erste Hilfe. Der Innenteil ist gut zugänglich und hat ausreichend Stauraum für alle benötigten Utensilien. Mit dem Helmnetz hat man zusätzlichen Stauraum außen. Der Halo und der Tour Rider haben um die 28 Liter und ist vor allem bei Freerideeinsätzen bei den Kollegen beliebt. Der Tragekomfort ist bei allen Rücksäcken sehr ok.

 

Fazit: Für mich sind  der JetForce Saga und der JetForce Tour Pro die erste Wahl. Ich habe die Rucksäcke etwa 30 Tage beim Variantenfahren,Freeriden und Tourengehen getestet. Das etwas höhere Gewicht nehme ich mittlerweile gerne in Kauf.

Mein Risikoverhalten hat sich speziell beim Freeriden nicht verändert- eine Befürchtung die völlig unbegründet war.

Natürlich ersetzt der JetForce- bei aller Zuverlässigkeit- weder eine verantwortungsvolle Tourenplanung noch den sicheren Umgang mit LVS,Schaufel und Sonde. Er ist eine zusätzliche Sicherheitsreserve wenns wirklich dünn wird. Und frei nach dem seligen Joki Kirschner:  „…. dass man rechtzeitig drauf schaut dass man`s hat wenn man`s braucht…“

Hati Finsterer, ALPS, IVBV Bergführer


Technische Daten und Beschreibungen:

Die genauen technischen Daten und Beschreibungen findet Ihr hier:

JetForce Saga 40 von BD

JetForce Halo 28 von BD

JetForce Tour Pro von Pieps

JetForce Tour Rider von Pieps

 

 Weitere Infos:

Die JetForce Technologie wurde von Black Diamond und dem Tochterunternehmen Pieps gemeinsam entwickelt. Die angebotenen Modelle sind von der Technologie baugleich und unterscheiden sich nur bei den Rucksäcken und den Volumina. ALPS ist Ausrüstungspartner von Pieps und Black Diamond.

Unsere Testberichte sammeln unsere subjektiven Erfahrungen mit den getesteten Produkten wieder. Dies nach bestem Wissen und Gewissen. Der Bericht ersetzt keine technischen Herstellerinformationen und keine praxisbezogene Auseinandersetzung mit der Materie.Haftungen aus Anwendungen, die sich aus unseren Testberichten ergeben lehnen wir ab.

Empfohlene weitere Notfallausrüstung im Bereich Lawinesicherheit: Pieps DSP Pro oder Sport,Pieps Shovel Tour T, Pieps iProbe 2

Zur Funktionsweise und Entwicklung der Rucksäcke gibt’s hier ein nettes Video

Die Kollegen von Bergzeit.de habe eine tolle Übersicht über die verschiedenen Systeme geschrieben

Hier eine generelle Beurteilung aus der führenden Fachzeitschrift für alpine Sicherheit Berg&Steigen